Wenn eine Idee für eine neue Geschichte bei mir anklopft, dann immer durch ein Bild. Wenn es mich interessiert, sehe ich hin und das Bild führt mich und dann beginne ich, zu schreiben.

Als Kind habe ich mir gerne vorgestellt, dass ich mein Leben schreibend verbringen werde. Dann kam mir aber der Alltag und das Großwerden dazwischen, und die schreibende Larissa rückte immer mehr in den Hintergrund – so weit weg, dass ich sie lange nicht mehr sehen konnte. Ich hatte dieses Bild von mir zwar nicht vergessen, aber trotzig weggesperrt. Ich fand mich nicht gut genug, ich fand mich albern, ich war sicher, meine Geschichten würden niemanden interessieren, die Angst vor der Meinung anderer zermürbte mich. Ein Fehler natürlich, denn ich habe verstanden, dass das Schreiben eine Möglichkeit ist, die Welt zu begreifen.

Vor ein paar Jahren traf ich eine Frau, die mit wenigen Sätzen meinem Leben eine Wende gegeben hat. Sie, die man in einem Kinderbuch als eine Wahrsagerin beschreiben würde und hier im Norden als Spökenkiekerin, sagte:

„Ich sehe dich vor vielen, vielen Kindern lesen.“

Und da hat es Peng in meinem Kopf gemacht und die Bilder kamen zurück. Die Erinnerung an die riesige Linde in unserem Garten, unter der ich in den warmen Sommern meiner Kindheit so gerne lag und mir die Bilder meiner Zukunft angesehen hatte …

Larissa als Kind, schreibend mit Bleistift im Garten
Larissa, 10 Jahre

Diese Wahrsagerin hat noch etwas gesagt, was damals nur ein Nebensatz war: „Du wirst einen Verlag gründen. Warum auch nicht?“

Ich fand das eine absurde Idee. Vor Kindern lesen: ja, warum nicht (hätte ja auch ein Buch sein können, das ich gar nicht geschrieben habe), aber einen Verlag gründen? Bestimmt nicht!

Und nun habe ich, ein paar Jahre später, die Kinderbuch-Trilogie SELDAS HAUS geschrieben und dafür den Verlag meiner Kindheit gegründet und schon vielen Kindern daraus vorgelesen. Nichts ist sofort passiert, alles ist gewachsen.

Hat die Spökenkiekerin die Zukunft vorhergesehen? Oder habe ich die Zukunft nach ihrer Beschreibung geformt? Das werde ich wahrscheinlich nie erfahren – ich mag aber den Gedanken, dass sie sah, was ich mir als Kind erträumt habe, und am Ende ist es auch egal: Der Verlag meiner Kindheit ist geboren, und ich hoffe, mein kindliches Ich wird meine rechte Hand sein, während ich ihm Leben einhauche …

Ich möchte meine Bücher verlegen, ich möchte eine Buch-Doula für Kinder sein und ihnen helfen, ihre eigenen kleinen Werke zu veröffentlichen. In der Kinder-Kreativ-Werkstatt dürfen Kinder einfach machen – frei von Konzept, Lernerfolg und Leistungsdruck, und sie dürfen erleben, dass sie in ihrem Kopf das ganze Universum haben und dass das kleine Mädchen unter der Linde einmal dachte, sie könnte alles sein (und dann nicht mehr und jetzt wieder) …

Herzlichst, Unterschrift Larissa